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Entscheidungsprozesse

Geschrieben von Gert Podszun.

Prozesse zur Entscheidungsfindung sind nicht rational geprägt, sondern hängen von Faktoren ab, die sich einem Nachvollzug der jeweiligen Entscheidung entziehen.Es kann also davon ausgegangen werden, dass unbestimmbare Parameter eine dominante Rolle spielen.

Man spricht hier von der Wirkung kognitiver Dissonanz.

 

Dieser Begriff lasst sich so erklären: eine jeweilige Wahrnehmung ist an den Moment der Wahrnehmung gebunden.

 

Gleichzeitig bestimmt die jeweils aktuelle Verfassung die Art der Wahrnehmung. Da diese nicht an Regeln gebunden ist, sondern von allerlei momentanen Befindlichkeiten geprägt wird, ist eine Entscheidung prinzipiell nicht durch Dritte nachvollziehbar.

Wenn man davon ausgeht, dass erkannte Zustände und Randbedingungen zu einem bestimmten, sozusagen erlaubten, Handeln führen, dann kann man oft feststellen, dass Einzelne sich außerhalb des Erlaubten stellen, weil sie ausreichend Argumente finden, um das Erlaubte quasi zu verdängen oder in eine andere Zeit zu verschieben. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn der einzelne Mensch innerhalb einer Gruppierung auftritt. Dann kann man feststellen, dass er seine Individualität zeitlich begrenzt aufgibt, um als Bestandteil der Gruppe zu agieren.[1] In diesem Zusammenhang ergibt sich noch eine weitere Erkenntnis.

Die Erklärung einer jeweils eigenen Handlung gegenüber Dritten wird in vielen Fällen auf die sogenannten Umstände geschoben, was man auch den fundamentalen Attributionsfehler nennt.

Das entbindet im Zweifel davon, eine Handlungsweise zu erklären, weil die Dinge eben so waren, wie sie waren.

"Dieser fundamentale Attributionsfehler hat eine ordnungs- und orientierungsstiftende Funktion. Es macht das Leben leichter, wenn wir uns nicht über die Komplexität jeder Handlungssituation, in der sich jemand befunden hat, Rechenschaft ablegen müssen, sonder einfach sagen können: Er handelt so, weil er so ist.

Das führt freilich, wie jede ehrlich Selbstbeobachtung zeigt, zu einem überpersonalisierten Menschenbild, das zu der irrigen Annahme verleitet, dass Menschen in Übereinstimmung mit ihrem als widerspruchsfrei vorgestellten Selbst handeln müssten.Tatsächlich verstößt jeder von uns täglich mehrfach gegen seine tiefsten inneren Überzeugungen, in unserem Fall also, wenn es um den Energieaufwand geht, den man wider besseren Wissens und auf auch wider die Notwendigkeit durch das Benutzen von Autos, Taxis, und Flugzeugen betreibt.[2]"

Wir verfügen zweifellos über eine Moral und sogenannte Grundsätze und haben damit eine Orientierung auf richtiges oder falsches Handeln. Dennoch stellen wir fest, dass diese Moral nicht handlungsleitend wirkt. Vielmehr dient sie dazu, Begründungen zu finden, wie eine falsche Handlung mit einem richtigen Bewusstsein in Einklang zu bringen ist.

Diesen Prozess nennt man auch Dissonanzreduktion.

"Alle sind um Mehrung ihres Wohlstandes bemüht, um den Preis, dass alle eigenen Anstrengungen, die Welt doch noch zu retten, sich im Angesicht der jährlichen Emissionsstatistik von vornehereinin Luft auflösen würden.[3]"

Wahrnehmung passt sich an die schleichende Veränderung der Wirklichkeit an. Das, was ich heute in einer identischen Situation wie früher wahrnehme, entspricht nicht derjenigen Wahrnehmung, die ich vormals hatte.

Veränderungen gehen immer langsam vor sich. Das kann man an einem einfachen Beispiel erklären. Bevor Wasser in einem Topf von dem Aggregatzustand flüssig in den Aggregatzustand gasförmig übergehet, muss es erhitzt werden. Die Veränderung geht langsam vor sich. Es werden immer nur kleine Teilmengen verändert, in dem sie sich aus dem vorherigen Aggregatzustand verabschieden. Insoweit stellt sich die Frage, ob Revolutionen, welche eine schnelle Veränderung der Situation anstreben ihre Rechtfertigung haben, weil sie in der Regel den Veränderungsprozess durch unübliche Maßnahmen, wie Vertreibung, Mord und Krieg beschleunigen. Das entspricht nicht dem menschlichen Naturell. Lernen geht auch nicht schnell. Also ist eine basierende Übereinkunft über Werte die beste Basis für Veränderungen, was wiederum eine entsprechende Bildungspolitik impliziert. Daraus ist zu folgern, dass die gewollte erfolgreiche Veränderung immer dann gelingen kann, wenn die Basis der Betroffenen ohne Druck und Gewalt auf die Möglichkeit der Veränderung hingewiesen wird. Damit erlangt die Bildungspolitik den Stellenwert, welcher ihr als Komplex der Zukunftssicherung und Gesellschaftsentwicklung zusteht. Diese Position im gesellschaftlichen Geschehen beansprucht aber die Wirtschaft, welche nichts anderes ist, als das Ergebnis früherer Bildung. Insoweit erschlägt das reale Ergebnis der Bildung ihre eigenen Quellen, wenn auch zeitversetzt. Das gelehrte, gelernte und angewandte Wissen von heute ist die Basis für die Entwicklung der zukünftigen Gesellschaft. Wird dieser Entwicklung der Boden entzogen, wird sie mit Problemen konfrontiert sein, welche prinzipiell vorhersagbar sind, deren Inhalte aber nicht gehört und akzeptiert werden.

Daher gilt die Forderung zu akzeptieren, dass Veränderungen ihre eigene geringe Geschwindigkeit haben. Damit kann auf die Erkenntnisse in WachstumGlück[4] hingewiesen werden. Nachhaltigkeit gilt auch für die geplante Veränderung.

Wenn also davon ausgegangen werden kann, dass die aktuelle Bildungspolitik und das Gewicht der Bildung für die Gestaltung der Zukunft nicht den Ansprüchen der Zukunft genügen, vor allem auch deswegen, weil sie immer langfristig angelegt sein muss, dann stellt sich die Frage, ob nicht auf Investitionen in diesen Bereich verzichtet wird, weil die Wirtschaft in dominanter Manier eher kurzfristig zu denken und zu handeln geneigt ist. Ich möchte es gerne noch deutlicher machen: Wenn es gelingt, die Konsumenten mit vielen neuen Produkten mit kurzer Lebensdauer zu beschäftigen, dann sind Sie als Konsumenten wichtiger als kritische gut ausgebildete Bürger, welche jeweils eine Güterabwägung vornehmen, bevor sie eine Entscheidung treffen, die mit dem Ausgeben von Geld zu tun hat. Auf die Spitze getrieben und unter Berücksichtigung des Produktivitätsfortschrittes ergibt sich eine Vision: Die Anzahl der Menschen, die benötigt wird, um die lebensnotwendigen Produkte für alle herzustellen, wird eher kleiner als größer. Mit einem Blick auf den Begriff: >tittytainment<[5] kann davon ausgegangen werden, dass eine Konsumhörigkeit der Menschen wichtiger ist, als selbstkritische Persönlichkeitsentwicklung. Damit regiert die Wirtschaft absolutistisch und der Konsument ist der Slave, der mit Brot und Spielen ruhiggestellt wird. Die Wahrnehmung über die so gestaltete Lebensweise ist sicherlich im Ansatz vorhanden, wenn man berücksichtigt, wie Fernsehen, Fußball, Olympiaden und weitere Veranstaltungen Zeit und Geld der Konsumenten binden, dann findet man erst Bestätigungen.

Zuletzt bleibt die Frage, ob der Einzelne alleine unter Bezugnahme auf seine Ich-Empfindung agiert oder ob er in seiner Umgebung eine Wir-Situation erkennt, welche die Wirksamkeit seiner Intention beeinflusst. Schließlich ist der Mensch ja doch auf seinen Nächsten angewiesen.



[1] Siehe auch: „Mensch und Masse“ Elias Canetti

[2] Siehe auch: „Das Ende der Welt, wie wir sie kennen“ Claus Leggewie Harald Welzer, 2009

[3]Ebda S. 79

[4] Siehe auch. “WaxtumGlück“ Gert Podszun 2009

[5] http://books.google.de/books?id=1MczUltbxFMC&pg=PA29&lpg=PA29&dq=tittytainment+Gert+Podszun&source=bl&ots=ktrvvhG-Fq&sig=Fgx0HpTwEWnS_7gSDDj3vePTlV4&hl=de&ei=pPO0S7bGMovz_AbLjM2wDg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CAYQ6AEwAA#v=onepage&q=&f=false

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